Wir wollen einen neuen Job annehmen, aber irgenwie sagt uns eine innere Stimme: „lass es“ – sollen wir auf sie hören? Wir nennen unsere innere Stimme auch „Bauchgefühlt.

„Bauchgefühl“ ist in Mode.. man kommt um das Thema „Intuition“ kaum mehr drumrum. Egal ob im Buchhandel, in den sozialen Medien, ja selbst in Unternehmerkreisen ist es „en vogue“ der inneren Stimme zu folgen oder dem sogenannten Bauchgefühl. Das ist ja auch alles kein Problem, wenn ich mich zwischen zwei neuen Eissorten entscheiden muss, oder ob ich heute heute lieber ausgehe oder daheim bleibe, aber wie kommt es, dass z.B. Unternehmer: innen sich auf ihr Bauchgefühl verlassen, wenn es mehr geht als um nur 5,00 Euro, nämlich um Millionen?

Lange Zeit galt die Hypothese von Daniel Kahnemann als plausibel, der davon ausging, dass der Mensch über zwei Denksysteme verfügt. Einmal über das schnelle, intuitive Denken und andererseits über das langsame, vom Verstand geleitete Denken. Kahnemann hielte das schnellere Denksystem, also das intuitive für Fehler anfällig. Das langsamere Denken, sei sicherer, weniger fehleranfällig, würde aber zu viel Zeit kosten. Das wir kognitiven Verzerrungen unterliegen hat er in einem sehr bekannten Experiment aus den 80ern beweisen wollen. Er hat in einer Studie, mit seinem Kollegen Amos Tversky Probanden folgendes Szenario beschrieben und sie sollten eine Entscheidung treffen:

Stellen Sie sich vor, die USA müssten sich auf den Ausbruch von Ebola vorbereiten. Ein schlimmer Virus, der Menschleben kostet. Um die Krankheit zu bekämpfen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Programm A wird 200 Menschenleben retten.
  • Bei Programm B werden mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:3 – 600 Menschenleben gerettet, aber mit einer Wahrscheinlichkeit von 2:3 wird kein Menschenleben gerettett.

Die Mehrzahl der Befragten wählte Programm A. Die sichere Variante!

Dann gab es eine zweite Version des Szenariums. Wieder muss sich die USA auf Ebola vorbereiten. Um die Menschen zu retten, stehen folgende Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Bei Programm A werden 400 Menschen sterben
  • Bei Programm B besteht die Wahrscheinlichkeit von 1:3, dass niemand stirbt, und eine Wahrscheinlichkeit von 2:3, dass 600 Menschen sterben.

In diesem Fall entschied sich die Mehrheit für das Glückspiel, also Variante B.

Allein die Formulierungen die im Grunde dasselbe bedeuten, beeinflussen uns also. Wer nachrechnet wird feststellen, dass die Programme keinen Unterschied machen. Wir werden also durch die Wortwahl manipuliert, eher unseren Überzeugungen und Präferenzen entsprechen. Man spricht in diesem Fall vom „Framing Effekt“. Wie sehr wir also dadurch täglich durch die Medien manipularbar sind.. darf sich jetzt jeder selbst überlegen.

Mittlerweile geht die Forschung aber davon aus, dass unsere Intution unterschätzt wird und wesentlich wichtiger ist, als man bisher dachte. Intelligenz ist nicht unbedingt oder notwendigerweise bewusst. Unser Unterbewusst sein beherbergt so viel Erfahrungen mit Ereignissen und Menschen, und hat somit viel mit unbewusster Intelligenz zu tun.

Intuition ist vermutlich ein automatischer im Hintergrund laufender Prozess, der sich im Unterbewusstsein abspielt. Je mehr wir mit Menschen, mit Erfahrungen und Entscheidungen zu tun haben, um so mehr Daten und Muster bzw. Gesetzmäßigkeiten stehen uns im Unterbewusstsein zum Abgleich zur Verfügung. Wir haben uns im leben unzählige Wissensressourcen angeeignet, die wir im Alltag immer wieder nutzen. Gerade ich habe in den letzten 20 Jahren täglich mit einer Vielzahl von Menschen zu tun, bei denen ich nur wenige Minuten zur Verfügung habe, um die Entscheidung zu treffen „Notfall oder nicht?“. Ich erkenne oft an „für andere nicht sichtbare“ Kriterien, dass jemand ggf. suizdal ist, ohne dass die Personen das aussprechen. Für viele ist das ein Phänomen. Ich denke, es ist Empathie und eine im Laufe der Jahrzehnte erworbene Menschenkenntis und winzige Gesten, Mimiken, Signale, Schlüsselwörter, die mich aufhorchen lassen, ohne dass es mir bewusst ist. In diesem Fall höre ich lieber einmal zu viel auf mein Bauchgefühl. 

Wenn ich allerding für mich langfristige Entscheidungen treffen möchte,  z.B. eine teure Anschaffung, dann höre ich sicher meinem Bauchgefühl zu, konzetriere mich aber genauso bewusst darauf, dass ich rational abwäge. Rationale Entscheidungen brauchen häufiger mehr Zeit, sind präziser aber aufwendiger und oftmals teurer, weil man ggf. Infomationen oder Handlungsweisen zusammenführen muss, um die präzise Grundlage einer rationalen Entscheidung zu schaffen.  

Intuition und rationale Entscheidungen sind also keine Gegner – sondern miteinander sehr effektiv kombinierbar. Wenn wir unserer inneren Stimme nicht „blauäuig“ in allen Situationen folgen, ist sie uns eine große und nicht zu unterschätzende Hilfe